Ihr seid Held*innen!

Aktion Unterholz

Ihr seid Held*innen!

Zu tausenden waren wir heute im Wald spazieren – und das, obwohl uns dies eigentlich gerichtlich untersagt war. Ein bewegender Tag, voller Emotionen, von Trauer über Wut bis hin zu Zuversicht und Mut. Wir möchten diesen Tag gerne für euch einbetten, in das was in den Tagen zuvor geschah und einen Ausblick auf die kommende Zeit.

Er kämpfte an unserer Seite für das gute Leben für Alle

Mittwoch 19.09.2018, 15:45, der Tod eines Menschen, Freundes, Bekannten, Journalisten, Aktivisten: Steffen Horst Meyn*. Wir trauern, sind fassungslos und erschüttert, sind in Gedanken bei seiner Familie und seinen Freund*innen. Steffen war nicht nur ein Mensch, der seit über einem Jahr das Geschehen und den Widerstand im Hambacher Wald solidarisch dokumentierte, er war auch begnadeter Künstler, Regisseur und Journalist und laut seiner Freund*innen bekannt für die beste vegane Mayo auf der ganzen Welt. Er kämpfte an unserer Seite für das gute Leben für Alle und war seit Beginn der Räumung fast täglich im Wald anzutreffen. Wir hoffen zutiefst, dass ihr Wege habt, eurer Trauer und eurem Gedenken Raum zu geben.

Seit Mittwoch gibt es in Beechtown, an der Unfallstelle, eine Gedenkstätte, an welcher auch die Trauerkundgebung am Donnerstag mit Schweigeminuten und Blumen dem Toten gedachte. Auch heute beim Waldspaziergang legten Menschen Blumen nieder und verweilten in Gedenken.

Massenhafter ziviler Ungehorsam, wie er im Buche steht.

Doch die Trauer war auch begleitet von Empörung, von Wut und von daraus resultierendem Ungehorsam und Widerstand. An die 10.000 Menschen setzten sich am Sonntag über die Anweisung der Polizei, nicht in den Wald zu gehen, hinweg. Nicht nur das: schon bald wurde sich mit Kind und Kegel daran gemacht die Barrikaden aufzubauen. Binnen kürzester Zeit entstanden hunderte Barrikaden auf den Zufahrtswegen, um die Baumhäuser vor der Räumung zu bewahren. Massenhafter ziviler Ungehorsam, wie er im Buche steht. Immer wieder gab es Applaus und Jubelrufe für Baumbesetzer*innen. Wir richten den Applaus und die Jubelrufe auch an alle Anderen. Denn ihr seid Held*innen!

Aus allen gesellschaftlichen Bereichen kommt mittlerweile Zuspruch, selbst aus Ecken, aus denen niemand die Unterstützung erwartet hätte. Hebebühnenverleihe ziehen ihre Hebebühnen aus dem Wald ab, weil sie mit dem Einsatz nicht einverstanden sind, Promis erklären sich solidarisch, tausende Menschen, ob jung oder alt, gehen Woche für Woche auf die Straßen. Und selbst die Wirtschaftswoche fordert RWE mittlerweile zum Abbruch der Rodungen und Räumungen auf. In Manheim wird ein Hambi-Camp quasi mal eben aus dem Boden gestampft und bietet nun hunderten einen Ort zum Sein, zum Lernen, zum solidarischen Handeln.

Hier um den Hambacher Forst stoßen gerade eine Generation mit Erfahrungen des zivilen Ungehorsams aus dem Wendland auf 9 Jahre jüngere Widerstandsgeschichte im Rheinland. Wir werden immer mehr, Woche für Woche. Hier wachsen Widerstandskämpfer*innen in winzigen Gummistiefeln und Bollerwägen heran, von denen unsere Zukunft noch viel lernen kann.

Laschet, Reul, Schmitz – ein teuflisches Trio

Es bleibt also festzustellen: Die einzigen, die an der Rodung des Hambacher Waldes noch festhalten, sind Reul, Laschet und RWE. Wann begreifen auch sie, dass die Vorstellung, der Hambacher Wald könnte gegen den Widerstand dieser Menschen gerodet werden, eine Illusion ist?

Laschet, Reul, Schmitz. In diesem teuflischen Trio erklingt das Zusammenspiel von kapitalistischen Profitinteressen und autoritärem Staatsverständnis. Die einzige Grundlage, auf denen ihre Argumente noch fußen sind die geltenden Gesetze. Sorry Jungs, aber wenn wir uns darauf verlassen hätten, hätten Frauen* weder ein Wahlrecht, noch wäre das Schlagen von Kindern verboten und geächtet. Kurzum: Die Politik von Heute (Landesregierung) fußt auf Gesetzen von Gestern (Bergbaurecht aus der Nazizeit), um eine Industrie von Vorgestern (Kohleverstromung) fortzuführen. Ihr gefährdet unser Klima und unsere Zukunft. Solange ihr diesen Irrsinn nicht beendet werden wir Widerstand leisten!

Denn: Alle erfolgreichen sozialen Bewegungen der Vergangenheit tragen Elemente des zivilen Ungehorsams in sich. Denn wie Brecht schon wusste, wenn Recht zu Unrecht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht. Und das, was hier im Hambacher Wald passiert, schreit in seiner Ungerechtigkeit bis zum Himmel.

Wenn also die #GReultaten im Hambacher Forst in der kommenden Woche weitergeführt werden, werden wir da sein. Wir werden weiter wachsen, weiter auf die Straßen gehen, weiter für den Erhalt des Hambacher Waldes und den sofortigen Kohleausstieg kämpfen!

Organisiert euch jetzt!

– Kommt morgen zu unserem Aktion Unterholz – Supporter*innen Treffen um 19 Uhr auf dem Hambi Camp
– Am 30.09. gibt es einen bundesweiten Aktionstag für den Hambi. Organisiert euch in den Städten und schließt euch an!
– Am 06.10. wird eine Großdemonstration für den Kohlestopp, begleitet mit Aktionen des zivilen Ungehorsams stattfinden.

– Organisiert eigene Demos, Soliveranstaltungen und Aktionstrainings in eurer Stadt!

Und dann kommt ins Rheinland! Ihr seid jederzeit herzlich willkommen.

Lasst uns gemeinsam Geschichte schreiben und die Kohle endlich zur Vergangenheit machen.

* seine Familie hat sich ausdrücklich gewünscht, dass sein Name an die Öffentlichkeit geht. Sie sind stolz auf Steffen und all das, wofür er sich eingesetzt hat.